Das German Chapter of the ACM e.V. (GChACM) vergibt den Albert Endres Award für das Jahr 2024 an
Gerhard Schimpf
Als einer der Pioniere der Informatik ist der Preisträger, ursprünglich Physiker, über das wissenschaftliche Rechnen zur Softwareentwicklung gekommen. Ab Anfang 1968 wirkte er im Labor der IBM Deutschland an der Implementierung der Programmiersprache PL/1 mit. Leiter des Programming Center und somit sein erster Chef war Albert Endres. Ein solches Vorhaben war in der damaligen Zeit, mit den im Vergleich mit heute äußerst begrenzten Rechnerkapazitäten, ein anspruchsvolles Unterfangen, eines der damals noch seltenen Großprojekte. Schon in diesen Anfangsjahren zeigten sich Gerhard Schimpfs über das rein Fachliche hinausgehenden Fähigkeiten: auf Menschen zu- und einzugehen, sie zu vernetzen, national und international. Von einer Abordnung in das IBM-Forschungslabor in den USA brachte er die Idee mit, Informatiker in Deutschland in Regionalgruppen zu vernetzen; er gründete die Regionalgruppe unseres Vereins in Sindelfingen und wirkte bei der Gründung der Gruppe in München mit. Diese und die daraufhin gegründeten Regionalgruppen in anderen Städten spielen eine zentrale Rolle für die Vernetzung von Informatikern untereinander, vor allem auch zwischen Wissenschaft und Praxis. Während seiner gesamten Berufslaufbahn, die er bis heute fortführt, leistete er aktive Beiträge und Impulse zu Konferenzen und Workshops im Bereich des Software-Engineering und später der IT-Sicherheit - für einen in der Praxis tätigen Informatiker eine Seltenheit.
Acht Jahre gehörte Gerhard Schimpf dem Vorstand des GChACM an, davon vier als Vorsitzender. Hier kam ihm seine internationale Erfahrung, verbunden mit den erworbenen Kontakten zugute. Er war einer der Initiatoren von ACM Europe, dem Zusammenschluss und Neuaufbau der nationalen ACM-Chapters in Europa. Er war der erste Chairman der ACM Europe Leaders, die diese Initiative vorantreiben. Gerade in Zeiten, in denen die Europäische Union sich verstärkt für IT-Themen interessiert, sind dadurch die Sichtbarkeit und der Einfluss unserer Fachorganisation in der europäischen Politik entscheidend gestiegen, die von nationalen Fachgesellschaften kaum angestrebt wird. So wirkte Gerhard Schimpf an dem „2013 ACM Europe Report on Informatics Education in Schools“ mit. Bei der Begründung des Heidelberg Laureate Forum, das die preisgekrönten Wissenschaftler der Disziplinen ohne Nobelpreis, Mathematik und Informatik untereinander und mit noch weniger berühmten Nachwuchswissenschaftlern zusammenbringt, war er treibende Kraft auf Seiten der ACM, die jährlich den ACM Turing Award vergibt, die höchste Auszeichnung für Informatiker. Zu dem kürzlich verabschiedeten European Union Artificial Intelligence Act gab er als Leiter einer Arbeitsgruppe über autonome Systeme innerhalb von ACM Europe wichtige Impulse aus der Sicht der Informatiker. Doch auch auf nationaler und regionaler Ebene blieb er aktiv. Neben der schon vorhandenen Reihe Software Engineering live rief er ein Format IT Security live zum Austausch zwischen Fachleuten auf hohem Niveau ins Leben. Er gründete mit dem Programm „Osterfeld for future“ eine Informationsreihe, die Zukunftsthemen etwa rund um die Künstliche Intelligenz allen Interessierten wissenschaftlich-fundiert nahebringt.
Wir ehren hier einen unermüdlichen Brückenbauer zwischen Praxis und Wissenschaft, zwischen Nationen und zwischen Laien und Fachleuten.
Das German Chapter of the ACM e.V. ist die deutsche Sektion und die älteste nationale Sektion (1968) der Association for Computing Machinery, der größten internationalen Fachgesellschaft für alle in der Informatik Tätigen und an ihr Interessierten. Weitere Informationen unter https://germany.acm.org/
